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Kinderschutz im Sport – Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt

Sport ist eine der beliebtesten Freizeitaktivitäten von Kindern und Jugendlichen. In den Berliner Sportvereinen treiben viele tausend Heranwachsende regelmäßig Sport, der von zumeist ehrenamtlichen Trainerinnen und Trainern bzw. Übungsleiterinnen und Übungsleitern pädagogisch angeleitet wird. Nach Familie und Freunden sind diese oftmals die wichtigsten Bezugspersonen für junge Menschen.

Gewalt und sexueller Missbrauch sind ein gesellschaftliches Phänomen, das sich durch viele Lebensbereiche zieht und leider auch vor dem Sport nicht Halt macht. Von Täterinnen und Tätern ist bekannt, dass sie meist strategisch vorgehen und sich gern dort aufhalten, wo sie leicht Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufbauen können. Hier gilt es, die Aufmerksamkeit auch in den Sportvereinen und –verbänden zu schärfen sowie Kinder und Jugendliche vor sexueller Gewalt möglichst wirksam zu schützen.

Ziel ist es, ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Sport dafür zu sensibilisieren, Anzeichen von sexuellem Missbrauch ernst zu nehmen und für den Verdachtsfall gewappnet zu sein.

Wir wollen mit Berliner Sportvereinen und Verbänden dafür sorgen, dass der Sportverein Kindern und Jugendlichen einen Schutzraum gegen jegliche Art von Gewalt bietet.

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2. Berlin-Brandenburgische Regionalkonferenz zum Kinderschutz im Sport

Für den Kinderschutz - gegen sexualisierte Gewalt im Sport!

Wie wichtig das Thema Kinderschutz im Sport ist, hat die 1. Berlin-Brandenburgische Regionalkonferenz im letzten Jahr gezeigt. Aufgrund der hohen Nachfrage folgte in diesem Jahr die zweite Auflage der Veranstaltung.
Gewalt und sexueller Missbrauch machen auch vor dem Sport nicht Halt: Täterinnen und Täter halten sich gern an Orten auf, an denen sie leicht Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufbauen können – und das ist leider oft auch der Sportverein.
Wie sich Vereine der Thematik sexualisierte Gewalt im Sport nähern können, damit beschäftigte sich die 2. Berlin-Brandenburgische Regionalkonferenz zum Kinderschutz in der Bildungsstätte der Sportjugend Berlin am 7. November 2015. Rund 100 Teilnehmer*innen nahmen in der Bildungsstätte der Sportjugend am Olympiastadion an der Veranstaltung teil. Ziel war es im Kinderschutz die Kooperations- und Netzwerkarbeit zu stärken sowie Informationen über die Vorgehensweise der Jugendämter und Polizei zu erfahren, deren Vertreter*innen sich in den vier Workshops dafür zur Verfügung stellten.

Der Fachvortrag von Prof. Dr. Schröer von der Universität Hildesheim bot einen Einstieg in die Thematik Kinderschutz durch Beteiligung der Kinder und Jugendlichen, in dem bereits vorhandene Ressourcen von Beteiligungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen in Sportvereinen in das Bewusstsein gerufen wurden, so dass eine langfristige und nachhaltige Kultur des Kinderschutzes in den Vereinen gelebt werden kann.

Die anschließenden Workshops waren gut besucht, es wurde sich mit folgenden Themen auseinandergesetzt:

  • „Woran erkenne ich eine Kindeswohlgefährdung?“ von Frau Brasch (Kind im Zentrum)
  • Grenzüberschreitung und symbolische Gewalt bei jungen Menschen mit Behinderung von Dr. phil. Kubanski (Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Berlin)
  • „Was macht das Jugendamt?“ von Herrn Leitner (Fachstelle Kinderschutz, START gGmbH)
  • Prävention und Repression – Möglichkeiten und Aufgaben der Polizei von Herrn Pawellek (Landeskriminalamt Berlin)
  • Praktische Übungen zur Prävention von Dr. Gutschow und Herrn Gust (Brandenburgischer Ju-Jutsu-Verband e.V.)

Der zweite Fachvortrag von Dr. Elke Nowotny von dem Kinderschutzzentrum Berlin klärte über die Folgen von Gewalterfahrungen und sexualisierter Gewalt im Kindes- und Jugendalter auf. Einleitend befasste sich der Vortrag damit, welche Schäden und Entwicklungsbeeinträchtigungen Kinder und Jugendliche erleiden können die körperliche, sexualisierte oder seelische Gewalt von Erwachsenen erfahren. Dargelegt wurden Auffälligkeiten und Veränderungen im Verhalten der Kinder und Jugendlichen sowie Merkmale physischer Gewalt aufgezeigt. Mögliche Auswirkungen für Kinder und Jugendliche aber auch die Resilienzfähigkeiten Betroffener waren Thema des Vortrags.

Die Regionlakonferenz endeten mit einem abschließenden Plenum, in dem die Dozenten*innen die Ergebnisse ihrer Workshops präsentierten.

Ansprechpartnerin für den Kinderschutz im LSB Berlin

Meral Molkenthin
Tel. 030 30002 -176
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Handlungsleitfaden "Kinderschutz im Sport"

Der Handlungsleitfaden, den die Sportjugend Berlin federführend für den Landessportbund Berlin e.V. erstellt hat, bietet eine umfassende Grundlage zur Bearbeitung des Themenfeldes Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt im Sport.

Der vollständige Handlungsleitfaden zum Download:

 Handlungsleitfaden "Kinderschutz im Sport"

Präventionsprojekt: "du-traeumst-von-ihnen"

Im Rahmen des Forschungsprojektes "Primäre Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch durch Jugendliche (PPJ)" bietet das Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité Berlin seit November 2014 Therapieplätze für Jugendliche im Alter von 12-18 Jahren an, die auf Kinder gerichtete sexuelle Fantasien haben. Das Angebot ist kostenlos und vertraulich.


Präventionsnetzwerk "Kein Täter werden"

Das Berliner „Präventionsprojekt Dunkelfeld“ (www.kein-taeter-werden.de) ist ein Projekt zur Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs. Es bietet ein kostenloses und durch die Schweigepflicht geschütztes Behandlungsangebot für Menschen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen und deshalb therapeutische Hilfe suchen, ohne aktuell unter Strafverfolgung wegen sexuellem Kindesmissbrauch oder der Nutzung von Missbrauchsabbildungen (sogenannte Kinderpornografie) zu stehen. Im Rahmen der Therapie erhalten die betroffenen Personen Unterstützung, um sexuelle Übergriffe durch direkten körperlichen Kontakt oder indirekt durch den Konsum oder die Herstellung von Missbrauchsabbildungen im Internet zu verhindern.

Der Berliner Standort des Präventionsprojekts Dunkelfeld ist Initiator und Koordinator des deutschlandweiten Präventionsnetzwerks „Kein Täter werden“. Das Projekt startete im Jahre 2005 in Berlin und umfasst mittlerweile mehrere deutsche Standorte. Dabei garantiert das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ gemeinsame Qualitätsstandards. Ziel ist es, ein bundesweites, flächendeckendes therapeutisches Angebot zur Etablierung der primären Prävention sexueller Traumatisierungen von Kindern und Jugendlichen aufzubauen.